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Fließlochverschraubung vs. klassische Schraubverbindung: Unterschiede & Vorteile

Was sind die wichtigsten Unterschiede beider Verfahren und in welchen Anwendungen hat sich die Fließlochverschraubung besonders bewährt?

Moderne Konstruktionen in Maschinenbau, Automobilindustrie und Leichtbau stellen hohe Anforderungen an Verbindungstechnologien. Neben klassischen Schraubverbindungen kommt zunehmend auch ein alternatives Verfahren zum Einsatz: die Fließlochverschraubung.

Wir zeigen die wichtigsten Unterschiede und erklären, in welchen Anwendungen sich die Fließlochverschraubung besonders bewährt hat. 

  • Worin unterscheiden sich beide Verfahren? 

  • Und wann lohnt sich der Einsatz der Fließlochverschraubung?

 


 

Was ist eine Fließlochverschraubung?

Bei der Fließlochverschraubung ist vor dem Fügeprozess kein Gewinde vorhanden. Dieses entsteht erst direkt während des Verschraubprozesses im Bauteil.

Die fließlochformende Schraube wird mit hoher Drehzahl und kontrollierter Vorschubkraft in das Material eingedreht. Es entsteht Reibungswärme, das Material wird lokal plastisch verformt und nach unten verdrängt. Dabei bildet sich eine Art Durchzug, in den die Schraube anschließend formschlüssig eingeschraubt wird.

Der gesamte Prozess - Durchdringen, Gewindeformen und Verschrauben - erfolgt in einem einzigen Arbeitsschritt.

So entsteht eine stabile Schraubverbindung ohne zusätzliches Vorbohren oder Gewindeschneiden.

Eine ausführliche Einführung in die Funktionsweise von Fließlochschrauben finden Sie in unserem Artikel → Fließlochschrauben: Zukunft der Verbindungstechnik?

 

Warum Fließlochverschraubung Vorteile gegenüber klassischen Schraubverbindungen bietet

Im direkten Vergleich mit klassischen Schraubverbindungen zeigt die Fließlochverschraubung klare prozess- und konstruktionsbedingte Vorteile, insbesondere in automatisierten Fertigungsumgebungen und bei dünnwandigen Materialien.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schraubverbindungen, bei denen Bohren, Gewindeschneiden und weitere Prozessschritte notwendig sind, erfolgen bei der Fließlochverschraubung die Formung des Durchzugs, die Gewindeformung sowie das Verschrauben selbst in einem einzigen Arbeitsgang.

Das reduziert nicht nur die Prozesskomplexität, sondern erhöht auch die Reproduzierbarkeit und Effizienz der Verbindung.

 

Zentrale Vorteile im Vergleich

  • Kein Vorloch und keine zusätzliche Gewindeerzeugung erforderlich

  • Reduzierte Prozessschritte und kürzere Zykluszeiten

  • Hohe Gewindetragfähigkeit auch bei dünnwandigen Materialien

  • Keine zusätzlichen Verbindungselemente wie Muttern oder Gewindeeinsätze notwendig

  • Verschraubung bei einseitiger Bauteilzugänglichkeit möglich

 

Besonders in automatisierten Montageprozessen spielt die Technologie ihre Stärken aus. Durch die Kombination aus Gewindeformen und Verschrauben in einem kontinuierlichen Prozess lassen sich stabile und reproduzierbare Verbindungen mit hoher Prozesssicherheit realisieren.

Damit ist die Fließlochverschraubung eine leistungsfähige Alternative zur klassischen Schraubverbindung und punktet vor allem dort, wo Effizienz, Automatisierung und Leichtbau im Fokus stehen.

 

Klassische Schraubverbindungen

Bei klassischen Schraubverbindungen wird das Gewinde in der Regel bereits vor dem Verschrauben vorbereitet.

 

Typische Verfahren sind:

  • Gewindebohrungen im Bauteil

  • Verwendung von Muttern

  • Einsatz von Gewindeeinsätzen

  • Kombination mit Blindnietmuttern oder Schweißmuttern

 

Diese Verbindungstechniken sind etabliert und vielseitig einsetzbar. Sie erfordern jedoch meist mehrere Prozessschritte und zusätzliche Bauteile.

Besonders bei dünnwandigen Materialien kann die Gewindetragfähigkeit begrenzt sein, weshalb zusätzliche Verbindungselemente erforderlich werden.

 

Direkter Vergleich der Verbindungstechnologien

KriteriumFließlochverschraubungKlassische Schraubverbindung
Vorloch erforderlichNeinJa
Prozessschritte1Mehrere
Gewindetragfähigkeit bei dünnen MaterialienHochOft begrenzt
Zusätzliche VerbindungselementeNicht erforderlichHäufig erforderlich
AutomatisierbarkeitSehr gutGut
BauteilzugänglichkeitEinseitig möglichHäufig beidseitig erforderlich
Kosten pro VerbindungGering bei SerieHöher durch zusätzliche Komponenten

 

Der Vergleich zeigt, dass die Fließlochverschraubung besonders dort Vorteile bietet, wo hohe Prozessgeschwindigkeit, Automatisierung und Leichtbaukonstruktionen im Fokus stehen. 

 

Wann ist die Fließlochverschraubung die bessere Wahl?

Die Fließlochverschraubung ist besonders dann sinnvoll, wenn Prozesse effizient und reproduzierbar sein und mit möglichst wenigen Arbeitsschritten umgesetzt werden müssen.

 

Typische Einsatzgebiete sind:

  • dünnwandige Materialien wie Bleche oder Profile

  • automatisierte Serienfertigung mit hohen Stückzahlen

  • Anwendungen mit einseitiger Bauteilzugänglichkeit

  • Montageprozesse mit Fokus auf kurze Zykluszeiten

 

In all diesen Fällen bietet die Fließlochverschraubung klare Vorteile gegenüber klassischen Schraubverbindungen.

 

 

 

Typische Einsatzbereiche der Fließlochverschraubung 

Die Technologie wird heute in vielen Industrien eingesetzt.

Besonders verbreitet ist sie in Bereichen mit dünnwandigen Metallkonstruktionen (Leichtbau) oder Mischverbindungen. 

Automobilindustrie

  • Karosseriebau

  • Strukturbauteile

  • Batteriegehäuse für Elektromobilität

Maschinenbau

  • Rahmenkonstruktionen

  • Gehäusemontage

  • Strukturbauteile

Leichtbaukonstruktionen

  • Aluminiumprofile

  • Stahl-Aluminium-Verbindungen

  • Profilrahmen

Weitere Anwendungen

  • Fenster- und Fassadenbau

  • Möbelkonstruktionen

  • Lager- und Regalsysteme

 

 

Automatisierte Fließlochverschraubung in der industriellen Montage

Damit eine Fließlochverschraubung zuverlässig funktioniert, müssen mehrere Prozessparameter exakt aufeinander abgestimmt werden.

Dazu gehören unter anderem Drehzahl, Drehmoment, Vorschubkraft und Prozessüberwachung

In automatisierten Fertigungslinien kommen deshalb spezielle Schraubsysteme zum Einsatz, die den gesamten Prozess präzise steuern.

Ein Beispiel dafür ist das Schraubsystem ADAPTIVE DFS. Dieses kombiniert einen elektronisch geregelten Schraubantrieb mit einer servoelektrischen Vorschubachse. Der gesamte Verschraubprozess wird kontinuierlich überwacht.

Durch die adaptive Prozessregelung lassen sich auch anspruchsvolle Fließlochverschraubungen reproduzierbar und prozesssicher automatisieren. 

 

Wann lohnt sich welche Verbindungstechnologie?

Die Wahl zwischen Fließlochverschraubung und klassischer Schraubverbindung hängt stark von den jeweiligen Anforderungen an Bauteil, Prozess und Produktion ab. Beide Technologien haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist der konkrete Anwendungsfall. 

Fließlochverschraubung – ideal für automatisierte Prozesse und Leichtbau

Die Fließlochverschraubung spielt ihre Stärken insbesondere in modernen, automatisierten Fertigungsumgebungen aus. Sie eignet sich herovrragend, wenn Prozesse effizient, reproduzierbar und mit möglichst wenigen Arbeitsschritten umgesetzt werden sollen.

 

Typische Anwendungen

  • Dünnwandige Materialien wie Bleche oder Profile

  • Mischverbindungen, z. B. Stahl-Aluminium

  • Hohe Stückzahlen und automatisierte Serienfertigung

  • Einseitige Bauteilzugänglichkeit

  • Fokus auf kurze Zykluszeiten und reduzierte Prozesskosten

 

In diesen Anwendungen ermöglicht die Fließlochverschraubung eine deutliche Vereinfachung des Montageprozesses bei gleichzeitig hoher Verbindungsqualität. 

Klassische Schraubverbindungen – flexibel und universell einsetzbar

Klassische Schraubverbindungen bieten Vorteile in Anwendungen, bei denen maximale Flexibilität oder bestehende Gewindestrukturen im Vordergrund stehen.

 

Typische Anwendungen

  • Dickwandige Bauteile mit vorhandenen Gewinden

  • Anwendungen mit häufigem Lösen und Wiederverbinden

  • Kleine Stückzahlen oder manuelle Montageprozesse

  • Einsatz standardisierter Verbindungselemente

 

Hier punkten klassische Schraubverbindungen vor allem durch ihre Vielseitigkeit und einfache Handhabung. 

 

 

Entscheidungshilfe im Überblick

Wenn Prozesse automatisiert, schnell und mit minimalem Aufwand umgesetzt werden sollen, bietet die Fließlochverschraubung klare Vorteile. Insbesondere im Leichtbau und bei modernen Fertigungskonzepten ist sie häufig die effizientere Lösung.

Klassische Schraubverbindungen bleiben dagegen die richtige Wahl für flexible Anwendungen, Einzelmontagen oder bestehende Konstruktionen mit vorgegebenen Gewinden.

In der Praxis zeigt sich: Je höher der Automatisierungsgrad und je größer die Anforderungen an Effizienz und Prozesssicherheit, desto stärker spielen Fließlochverschraubungen ihre Vorteile aus. 

 

Fazit

Die Fließlochverschraubung ist eine leistungsfähige Alternative zu klassischen Schraubverbindungen, insbesondere in automatisierten Produktionsumgebungen.

Durch die Kombination von Gewindeformen und Verschrauben in einem einzigen Prozessschritt lassen sich Prozesszeiten reduzieren und stabile Verbindungen auch in dünnwandigen Materialien realisieren.

Für industrielle Anwendungen stehen spezialisierte Schraubsysteme zur Verfügung, die den Fließlochform-Prozess präzise steuern und eine hohe Prozesssicherheit gewährleisten.

 

Automatisierte Fließlochverschraubung mit ADAPTIVE DFS

Für die automatisierte Umsetzung von Fließlochverschraubungen bietet DEPRAG mit dem ADAPTIVE DFS Schraubsystem eine spezialisierte Lösung.
→ Erfahren Sie hier mehr über das Fließlochschraubsystem ADAPTIVE DFS

 

 

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